Sakrales Museum Reit im Winkl

Heiliges Grab als Herzstück im sakralen Museum


St.Pankratius, Reit im Winkl

Sie hat seit jeher das Dorfbild geprägt, sie hat seit jeher den Lebensalltag der Menschen maßgeblich beeinflusst, sie hat seit jeher der Dorfbevölkerung und der Dorfgemeinschaft eine Mitte gegeben: die
Reit im Winkler St. Pankratius Pfarrkirche
. Seit über 500 Jahren ist in dem kleinen Bergort ein Gotteshaus nachweisbar, seit 1913 besteht die Kirche in ihrer heutigen Form: Auf leichter Anhöhe thront sie mitten im Ort neben den beiden größten Gasthäusern. Schweigend und geduldig hat sie in den vergangenen Jahrzehnten viel gesehen und viel erlebt. Manches von den Ereignissen in Kirche und Dorf wäre wohl in Vergessenheit geraten, viele kirchliche Kulturgegenstände möglicherweise verloren. Doch seit 20 Jahren sammelt und archiviert Georg Beilhack (75) alles, was mit dieser Kirche und ihrer Geschichte in Verbindung gebracht wird. Während der Sommermonate nun
zeigt „sein“ sakrales Museum zwei Besonderheiten: zum einen das äußerst wertvolle Heilige Grab und religiöse Volkskunst der Region lnn - Salzach, aber auch etliche Weihnachts- und Passionskrippen.

300 Objekte aus 200 Jahren

Eine schmale hölzerne Stiege führt über dem Empore verwinkelt in den Glockenturm. Hinter einer schweren Brandschutztür liegt der Kirchenspeicher oder — besser — der große, hoch aufragende Dachgeschossraum über dem Kirchenraum, der früher einmal der Kirchenspeicher war. Jetzt beherbergt er eine Fülle sakraler Gegenstände:
Krippen, Heiligenfiguren, Kelche, schwere Karfreitagsratschen, kunstvolle Monstranzen von Hausaltären, Heiligenstatuen, die Votivtafeln eines Kreuzwegs, alte, teils schwere Messgewänder, verschiedenste Christusfiguren. Rund 300 Kirchenutensilien aus den vergangenen 150, vielleicht 200 Jahren, hat Georg Beilhack zusammengetragen und ihnen in diesem Speicher, den er zu einem schmucken Museum umgebaut hat, eine neue Heimat gegeben.

Vieles war, so erzählt der gelernte Schreiner, verstaubt und auf diverse Orte verteilt, ehe sie geborgen werden konnten, um sie hier angemessen zu präsentieren. Viele Helfer hätten ihn dabei unterstützt, sagt er, der 24 Jahre Mesner in dieser Kirche gewesen war. Manche Gegenstände kämen auch mehr oder weniger zufällig wieder zurück an den Ort ihres Ursprungs: Eine „Jungfrauenfahne“ zum Beispiel, die das Museum einer Frau aus Ingolstadt verdankt. Sie habe nach dem Tod ihres Mannes, der aus großer Leidenschaft sakrale Gegenstände gesammelt und die Fahne vor vielen Jahren erstanden habe, in Reit im Winkl angerufen: Ob man denn diese etwa zwei Quadratmeter große Fahne, die bei Umzügen die Abordnung der Jungfrauen anführte, nicht benötige? Beilhack erklärte der Dame zwar sein größtes Interesse an diesem Angebot, Geld dafür habe er allerdings keines. „
Schließlich hat die Witwe die Fahne den Reit im Winkler geschenkt‘, berichtet Georg Beilhack, dem man die Freude darüber anmerkt.


Überhaupt hat er viel zu erzählen über die Hintergründe der unterschiedlichen Exponate und man kann sich nur schwerlich vorstellen, dass die Führungen für die Gäste, die er regelmäßig im Sommer anbietet und zu der
stets „sehr interessierte Besucher“ kämen, nur rund eine Stunde dauern sollen.


Foto, Hanns Ostermeier Reit im Winkl
50 000 Euro Restaurierungskosten für barocke Kostbarkeit
Herzstück der mit viel Handarbeit, viel Aufwand und viel Liebe gestalteten Ausstellung ist das so genannte „Heilige Grab‘. Bis 1960 wurde die 6,50 Meter breite und genauso hohe Kulisse regelmäßig zwischen Gründonnerstag und Karsamstag im Altarraum aufgebaut. Die Kirchgänger sollten sich so besser den Tod und die Ruhestätte von Jesus Christus vorstellen können. Viele dieser Heiligen Gräber verschwanden im Lauf der Geschichte, in Reit im Winkl bewahrte sich aber diese barocke Kostbarkeit, die größte im Chiemgau und Rupertiwinkel. Deren hohen Wert drückt sich auch darin aus, dass 2006 das Kulturreferat des Erzbistums München und Freising den überwiegenden Teil der rund 50.000 Euro Restaurierungskosten bezahlte. Die gesamten Fronten wurden damals in sechsmonatiger Arbeit beim Kirchenmaler Heinz Stein in Inzell behutsam „aufgehellt. 2007 wurde diese Kulisse nochmals in der Kirche aufgestellt, nun hat sie ihre feste Bleibe im sakralen Museum gefunden.
Daneben präsentiert Georg Beilhack als Mitglied des Vereins für Krippen und religiöse Volkskunst Inn-Salzach, der 2009 sein 20-jähriges Bestehen feiern konnte, auch etliche Leihgaben der Krippenfreunde. Darunter waren oder sind minutiös ausgearbeitete Kastenkrippen, feinst mit Golddraht gestaltete Straußeneier, diverse filigran erstellte Auferstehungsszenen im Miniaturformat, zumeist Arbeiten aus klösterlichen Werkstätten.
Museumsführungen in den Sommermonaten
In der Pfarrkirche St. Pankratius von Reit im Winkl ,gibt es seit 1935 auch eine Jahreskrippe mit insgesamt 32 biblischen Darstellungen, die immer wieder geändert und angepasst werden. Die Figuren (Wachsköpfe) sind teils über 100 Jahre alt und entstammen der Manufaktur Weinkammer aus Salzburg.

Hanns Ostermaier, Reit im Winkl für den Bayerischen Krippenfreund (Heft 351; März 2010)