Geschichte

Wie viele andere Gebiete, hat unser altbayerischer Raum eine lange Krippentradition. Einflüsse aus Tirol und dem Salzburgischen sind unverkennbar. Der Chiemsee und anschließende Gebiete gehörten ja über 1000 Jahre zum Erzbistum Salzburg.
Ausführliches wird von Traunstein, dem Ort des Landestreffens, berichtet. Bis zum Jahr 1815 stellt der Lehrer Patriz Ibelherr von Siegsdorf bei Traunstein Krippenfiguren und Krippenberg her. Nach dessen Tod kommt seine Krippe 1839 in Familienbesitz nach Traunstein. 1918 wird von Traunstein gemeldet: „Ing. Josef Angerer vererbt dem Stadtmuseum einen bemerkenswerten Schatz alter Krippen. Er stellte eine Liste von Krippen des Chiemgaus zusammen, ebenso Unterlagen für ein Verzeichnis mechanischer Krippen."
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Am 27. November 1919 bildet sich in Traunstein eine Ortsgruppe von Krippenfreunden. Landgerichtsdirektor K.Vogel wird erster Obmann. 1923 findet in Traunstein vom 10. November bis 23. Dezember ein Krippenbaukurs mit 80 Kindern in der Max-Schule statt. Am letzten Tag wurde alles in einer Ausstellung gezeigt.
1956 hat Stadtdekan Georg Eis eine Krippenausstellung vorbereitet. Sie zeigte zwei Wochen lang Leihgaben aus dem ganzen Chiemgau und Rupertivvinkel. Die Besucherzahl wurde auf 8000 geschätzt.
1965 bekommt die Pfarrkirche Heilig Kreuz eine umfangreiche Tonfiguren-Krippe mit Stall und ca. 70 Einzelteilen auf 15 qm Fläche. Die Bildhauerin Cäcilie Schmidt-Kramny hat sie gefertigt.
1969 organisiert Max Burghartswieser in Traunstein eine große Krippenausstellung mit über 70 Objekten aus dem Chiemgau und dem Rupertivvinkel. Trotz Bemühen kommt es nicht zur Neugründung einer Ortsgruppe.
1985 beauftragt der Landkreis Traunstein den Betreuer der Grabenstätter Jahreskrippe, Diakon Joachim Huneke, mit der Durchführung einer Krippenerfassung im öffentlichen, kirchlichen und privaten Bereich. Ziel ist die Ermittlung von Krippenfreunden zum Zweck einer Vereinsgründung.
1989 wird dann am 14. Oktober die Gründungsversammlung des Vereins für Krippen und religiöse Volkskunst Inn-Salzach e.V. abgehalten. Zum Ersten Vorsitzenden wird Joachim Huneke gewählt. Wir danken Ihm für seine Forschungsarbeit."1991 war in Traunstein eine große Ausstellung „Krippen zwischen Inn und Salzach". Im November 2000 führte der Verein eine Ausstellung in Übersee am Chiemsee durch. Der Andrang der Besucher war jedes Mal groß.
Zur Landestagung am 17. und 18. November 2001 in Traunstein konnten viele schöne Krippen - alte und neue, in der Ausstellung und auf dem Krippenweg durch die Stadt - besichtigt werden.
Besonders neugierig dürfen Sie auf die alte Krippe im Studienseminar St. Michael sein, von der Martin Bittel ausführlich berichtet. Sehenswert sind u.a. die Krippen in den Pfarrkirchen St. Oswald, Heilig Kreuz und Haslach, in der Wallfahrtskirche Maria Eck bei Siegsdorf, auf Frauenchiemsee, in Pietling und Laufen und unsere Vereinskrippe in der Kirche zum Hl. Erlöser in Traunreut.

Am 28. Februar 2002 schloßen sich bei der Jahreshauptversammlung im Studienseminar St. Michael in Traunstein die 63 Mitglieder des Ortsvereins Rosenheim mit Ihrem Vorsitzenden Dr. Josef Abtmeier den Krippenfreunden Inn-Salzach an.

Zur über 80 jährigen Geschichte des Ortsvereins Rosenheim kann folgendes berichtet werden:

Es war am Dienstag, dem 15. Februar 1921, nach einem Vortrag von Professor Dr. Otto Abel vor der katholischen Elternvereinigung mit dem Thema: „Die Hauskrippe, auch ein Markstein auf dem Weg zur Verinnerlichung des Familienlebens.“ Eine rege Besprechung nach dem Vortrag führte unmittelbar zur Gründung, des Krippenvereins Rosenheim
Im Tagblatt des "Rosenheimer Anzeigers" vom Dienstag, dem 15. Februar 1921 war zu finden. Max Ritzinger wurde "der Obmann des neu gegründeten Vereins. Die Kasse sollte Herr Gradl verwalten. Das Amt des Schriftführers übernahm Herr Riele.
Als Beisitzer fungierten die Herren Berchtenbreiter, Stadtpfarrprediger Bernrieder, die Herren Gebert und Dr. von La Hausse.
Einen Monat später, im März 1921 hatte der Verein 22, im Juni bereits über 70 Mitglieder. Dank der rührigen Tätigkeit des Herrn Bahnverwalters Ritzinger wuchs im September 1921 die Ortsgruppe auf 83 Mitglieder an. In einer Versammlung am 7. Juni bat dann Herr Ritzinger die Mitglieder, ihm in Anbetracht seiner starken Arbeitslast das Amt des Obmanns nicht weiterhin mehr aufzubürden. So wurde der H.H. Stadtpfarrprediger Bernrieder, späterer Stadtpfarrer von St. Nikolaus, einstimmig zum Vorsitzenden (Obmann) gewählt. Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland hatte auch Auswirkungen auf den Krippenverein, sowohl auf den Landes- wie auf den Ortsverband. 1923 zählte der Landesverein bayerischer Krippenfreunde rund 1900 Mitglieder aus allen Ständen des Volkes, die meisten davon waren wohnhaft in Bayern, einzelne im übrigen Deutschland. Aber er hatte auch Mitglieder im Ausland, wie in der Schweiz, Österreich, Böhmen, Lothringen, Holland. In Bayern waren die meisten Mitglieder in Ortsgruppen zusammengeschlossen. Solche bestanden im Allgäu, Altötting, Aschaffenburg, - Bamberg, Babenhausen, Deggendorf, Kaufbeuren, Landshut, Lindau, München, Münnerstadt , Ornbau, Regensburg, Rosenheim, Tittmoning, Tölz, Traunstein und Weißenhorn. Erwähnenswert scheinen auch die Namen treuer Mitgliedsfamilien zu sein, die im Mitgliederverzeichnis von I929/30 aufgeführt sind. Es waren dies Namen, die.heute noch den ein oder anderen Rosenheimer bekannt sind.
Namentlich genannt seien: Fam. Berchtenbreiter, Fam.Gietl, Fam.Dr. Golling, das Kapuzinerkloster, Fam-Köller, Fam.Pichlmayer, Arme Schulschwestern und Ludwig Weinberger.

Der Verein zählte damals 62 Mitglieder in der Stadt Rosenheim mit zusätzlich 11 auswärtigen Mitgliedern von Bad Aibling, Wasserburg, Endorf, Prien und 1 Mitglied aus Marquartstein, das dann 1931 wegen Arbeitslosigkeit und ohne Einkommen aus dem Verein austrat.
Über die Jahre in der Zeit des Nationalsozialismus kann ich nur von einem Brief berichten, den der Vorsitzende des Vereins deutscher Krippenfreunde in München, Domkapitular Dr. Michael Hartig am 31. Januar 1942 an die Krippenfreunde Rosenheims richtete. Darin verweist er auf die Gründung des Landesverbandes vor 25 Jahren, der "von einem kleinen Samenkorn schnell zum mächtigen Baum geworden ist und weit über seine Geburtsstadt Günzburg und über das Heimatland Bayern hinausgewachsen ist. "

Den Vereinsvorsitz übernahm dann für viele Jahre der Tierarzt und Leiter des Rosenheimer Schlachthofes Dr. Franz Ficker. Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 1950 gab er das Amt des Obmannes an Stadtpfarrer Johann Maier ab. Fast 40 Jahre lang führte Hans Angerer die Kassengeschäfte, nach dessen Tod 1962 wurde sein Sohn Martin damit beauftragt.
Im Herbst 1946 nahm auch der Ortsverein Rosenheim unter der Leitung von Dr. Franz Ficker mit dem unermüdlich aktiven Herm Angerer seine Tätigkeit wieder auf. Für das Vereinsjahr 1947/48 konnte Angerer dem Landesverband in München 66 Mitglieder melden.
Kurz vor seinem Tod im Jahr 1950 gab Dr. Ficker das Amt des Vorsitzenden an Stadtpfarrer Johann Maier von Christkönig ab. Viele Jahre fungierte dann bis 1965 als 1. Vorsitzender der als "Krippenprofessor" weit über die Grenzen Rosenheims hinaus bekannte Studienprofessor Leonhard Baumgartner. Zusammen mit Vereinsmitgliedern wie... Gustl Feichtinger schuf Baumgartner zahlreiche prachtvolle Krippen. Neben der alljährlichen Betreuung der Weihnachtskrippe in der Pfarrkirche St. Nikolaus hat er auch Krippenbaukurse durchgeführt. Es war eine glückliche Wahl, als auf Vorschlag Baumgartners 1965 Gustl Feichtinger die Geschicke des Vereins übernahm.

Heimatkrippe mit Figuren, gebaut und bekleidet von +Gustl Feichtinger

undefined v.links n.rechts: Gustl Feichtinger, Irmengard Feichtinger, Dr.Josef Abtmeier

Gustl Feichtinger war ein künstlerisch begabter, vielseitiger und leidenschaftlicher Krippenbauer. Bei seiner Vereinsarbeit wurde er tatkräftig von seiner Frau Irmingard unermüdlich und nach vollen Kräften unterstützt.
Neben der zahlreichen großen und kleineren Ausstellungen in öffentlichen Gebäuden oder Museen war einer der Höhepunkte der Rosenheimer Ortsgruppe die 37. Landestagung die sie ausrichtete und die am 9. und 10. November 1968 Krippenfreunde aus ganz Bayern, aus Tirol und drüber hinaus nach Rosenheim kommen ließ.

Als 1996 Gustl Feichtinger für uns überraschend starb, hinterließ er eine schmerzliche Lücke. Die Krippenfreunde verloren einen liebenswerten 1. Vorsitzenden, der über 30 Jahre mit Umsicht und Einsatz seiner künstlerischen Talente den Verein vorbildlich leitete.
Die verbliebene Vorstandschaft versuchte in den folgenden Jahren das Vereinsleben aufrecht zu halten, konnte aber zu den Ausstellungen, Adventhoagart und Vereinstreffen nicht mehr alle Mitglieder mobilisieren. Da auf Grund ihres Alter ein grossteil der Mitglieder nicht mehr zu den Veranstaltungen kommen konnte, entschloß sich der 1. Vorsitzende Herr Dr. Josef Abtmeier und die Vorstandschaft sich dem „Krippenverein Inn-Salzach“ an zuschließen.

Text: Pfarrer Konrad Kronast, Dr. Josef Abtmeier

Foto: Heinz W.Göppelhuber